RUNNING IMO

  • annasasaki9

Eigentlich berichten mir alle Frauen in meinem Bekannten- und Freundeskreis von den abgefahrensten Gelüsten und Heißhungerattacken während ihrer Schwangerschaft. Auch ich wurde stets von ihnen heimgesucht, meist so ab dem 3. Schwangerschaftsmonat. Bisher fielen in mein Beuteschema vor allem Rindfleisch, Obst und Schokolade. Ich würde das neben der hormonellen Umstellung auf meinen vermehrten Bedarf an Eisen und Vitaminen sowie den schwankenden Blutzuckerspiegel zurückführen, denn ich bin sonst keine passionierte Fleischesserin.

Onigiri - Reisbällchen mit Thunfisch-Mayo-Füllung



Doch in dieser Schwangerschaft hat mich ein ganz neues Ding gepackt. Das Thunfisch-Onigiri. Es handelt sich hier um ein mit Thunfisch-Mayo gefülltes Reisbällchen, umhüllt von einem knackigen Nori-Algenblatt. Einfach köstlich! Man bekommt es für einen knappen Euro in jedem japanischen Convenience Store oder Supermarkt. Das perfekte Ding für unterwegs. Ich hatte im Sommer Phasen, da brauchte ich täglich so eins. Wenn es mal ausverkauft war, habe ich mich dabei ertappt, innerlich richtig wütend auf den Ladenbesitzer zu sein.


Doch damit nicht genug. Die Lage hat sich irgendwann so zugespitzt, dass ich stapelweise Dosen mit Thunfisch zu Hause gebunkert habe. Andere machen das dieser Tage mit Toilettenpapier oder Mehl....ich eben mit Thunfisch. Wach gerüttelt hat mich eines Tages mein Mann, der mich eines Mittags verängstigt anschaute und fragte, ob er sich eine Dose öffnen dürfte zum Mittagessen. Oh weh, ich war zur Thunfisch-Terroristin geworden und hatte es kaum bemerkt. Ständig Nudeln mit Zwiebel-Tomate-Thunfisch-Sauce, Reis mit Thunfisch-Mayo oder Chinakohl mit Thunfischmarinade... Auch zum Leidwesen meiner Kinder...


Küchenregal / verpacktes Onigiri / Inhalt Onigiri



Doch woher kam dieser Thunfisch-Heißhunger? Vielleicht, weil es meine erste Schwangerschaft auf einer Insel ist? Wie dem auch sei, ich versuche seit dieser Zuspitzung in der Familie meine Gelüste etwas zu drosseln - zum Gemeinwohl. Das Küchenregal ist nach wie vor prall gefüllt mit Thunfisch-Konserven, man weiß ja nie.




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  • annasasaki9


In Japan Auto zu fahren hat für mich persönlich anfangs ziemlich viel Neues mit sich gebracht. Der grundlegendste Unterschied zum gewohnten Fahren ist wohl der Linksverkehr hierzulande. In den ersten Wochen hinterm Steuer habe ich etliche Male den Scheibenwischer betätigt, wenn ich abbiegen wollte. Ich habe mich gefühlt wie eine alte Oma. Ist eben alles andersherum!


Hinzu kommt, dass Japan ein - für europäische Verhältnisse - ziemlich wuseliges Straßenbild aufweist. Die Leitungen sind überirdisch verlegt und so schmücken zahlreiche Kabelmasten das Stadt(Land-)bild. Außerdem erschweren reduzierte Straßenbeleuchtung, dichte Bebauung sowie mangelnde Straßenmarkierung (auf dem Land) das umgehend entspannte Fahren.



Stoppschild / Steuer rechts / Landstraße



Aber man gewöhnt sich schnell. Denn die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind derart streng, dass ich zum Schleichen verdonnert bin und so alles in Ruhe begreifen und üben konnte. Während sich im Ort die Beschränkung von 30 km/h bis maximal 50 km/h erstreckt, darf man auf Landstraßen gerade mal 40 km/h bis 60 km/h fahren. Mein die-deutsche-Autobahn-liebendes-Herz schmerzt aber erst so richtig, wenn wir auf der Autobahn sind. Denn da darf ich nur 80 - 100 km/h fahren. Da ist nichts mit "Dampf ablassen" oder "mal richtig auf die Tube drücken"! Zudem fallen auf der Autobahn relativ hohe Mautgebühren an. Mir wird aber immer wieder von den Landsleuten versichert, dass "10 km/h over" total okay seien.

Den großen Vorteil an diesem 'Schleichgebot' sehe ich in den niedrigeren CO2-Emissionen und dem geringeren Lärm. Da Hybridautos in Japan wesentlich stärker verbreitet sind, als in Deutschland zum Beispiel, ist es für Nase und Ohren angenehmer hier.



Schild Geschwindigkeitsbegrenzung / Schild Kreuzung / Schild Überholverbot



Etwas tricky wird es beim Abbiegen an kleinen Kreuzungen oder Straßenecken ohne Vorfahrtsstraße. Und die gibt es im ländlichen Raum en masse. Da die mir bekannte "Rechts-vor-links"-Regelung in Japan nicht greift, muss man die anderen Verkehrsteilnehmer sehr gut beobachten. So manch schüchterner Zeitgenosse schaut einfach nach unten, während die meisten Autofahrer einem durch Zunicken, einen Wink mit dem Arm oder auch per Lichthupe die Vorfahrt gewähren. Es geht also meistens sehr bedächtig und langsam zu. Das kommt mir bei der Enge der Straßen sehr entgegen.


Ampeln befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung, meist ausgestattet mit einer Zusatzampel darunter für Abbieger. Manchmal wird man mit einer mittig über einer Straßenkreuzung hängenden rot blinkenden Ampel konfrontiert. Die ist mit einem Stoppschild gleichzusetzen und die Vorfahrtsregelung erfolgt dann nach dem Prinzip "first come, first served".

Ohne Google Maps wäre ich aufgeschmissen, da hier diverse Wege komplett unbeschildert sind und die von Reisfeldern gesäumten Wege einfach kaum zu unterscheiden sind.

Neben den auch in Deutschland so beliebten "Baby in car"-Stickern an der Heckscheibe, sind in Japan zudem Aufkleber für Fahranfänger und Senioren gängig. Da wir in einer ländlichen Region leben, dominieren letztere hier das Straßenbild und dienen auch als Ausweis für bestimmte Parkplatzprivilegien.

An Bahnübergängen muss immer angehalten werden, um dann mit einem Blick nach rechts und links zu überprüfen, ob auch wirklich kein Zug durchfährt. Die Schranken sind gelb-schwarz und ebenso die Warnkreuze, also farblich nicht ganz so überzeugend wie in good old Germany.


Ich persönlich würde mir eine bessere Fahrbahnmarkierung wünschen, um die Mitte der Fahrbahn auch im Dunkeln als Orientierung zu haben. Teilweise sind Landstraßen ohne Fahrbahnmarkierung in der Mitte sowie ohne Leitblanken oder Beleuchtung. Das macht es abends bei Regen doch manchmal etwas abenteuerlich.


"Fußgängerwege" über der Kanalisation am Straßenrand / Straßenkreuzung Yokohama



Als Fußgänger im ländlichen Japan steht man relativ doof da. Es gibt keine erhöhten Fußgängerwege und so gehen Fußgänger am Straßenrand. Innerorts muss man folglich über die überdeckelte Kanalisation laufen, was einem Klapperkonzert gleicht.

In der Stadt gibt es weitestgehend breite Fußgängerwege, vor allem an den großen Straßen.


Alles in allem würde ich den Straßenverkehr als vergleichsweise entschleunigt und miniaturisiert zusammenfassen. Die Autos in Japan sind klein, die Straßen schmal, die Geschwindigkeit niedrig. Für die Umwelt ist das sicherlich gut, für den Zeitplan manchmal schwierig.



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  • annasasaki9

(Japanischer Reis - rundkörnig und weiß)



Die japanischen Mähdrescher haben sich ihren Winterschlaf schon ganz bald verdient. Überall wird Reis geerntet, überwiegend maschinell, teils auch noch per Hand. Diese Jahreszeit ist eine tolle in Japan. Wir leben in Miyagi, einer Präfektur im Nordosten Japans, die bekannt für ihren Reis ist. Die häufigsten Sorten hier in der Region sind Sasanishiki ササニシキ und Hitomebore ひとめぼれ. Mein Mann arbeitet bei einem Bio-Reisbauern und so sitze ich "direkt an der Quelle".



(Reisfeld, Reisernte mit Mähdrescher, Reispflanze)



Japans bedeutsamstes Lebensmittel ist eindeutig Reis. Beinahe jede Mahlzeit hält ein Schälchen bereit, einmal am Tag wird er auf jeden Fall gegessen. In Japan wird Rundkornreis, sogenannter 'japonica'-Reis, gegessen. Am liebsten weiß.

Schon in der Sprache ist der Reis tief verankert. Er wird "Okome"お米 sowie "Gohan"ご飯 genannt. Gleichzeitig ist "Gohan" das Synonym für Mahlzeit. Meine Kinder rufe ich also zum "Gohan", selbst wenn eigentlich Spaghetti Bolognese auf dem Tisch steht.


Einen Reiskocher hat jeder Haushalt und der wird auch täglich genutzt. Im Jahre 1962 wurden in Japan jährlich pro Kopf 118 kg Reis gegessen. Das ist in Deutschland zahlenmäßig etwa mit dem Kartoffelkonsum gleichzusetzen. Mittlerweile ist der Reiskonsum in Japan aber stark zurück gegangen, auf jährlich etwa 54,4 kg pro Kopf (Jahr 2016; Quelle: MAFF).

Es wird schon wehmütig von "Kome-hanare"コメ離れ gesprochen, was soviel wie die Abkehr vom Reis bedeutet. Gründe sind neben den internationalen Einflüssen, insbesondere der westlichen Küche, aber auch der Trend zum Verzehr von weniger Kohlenhydraten. Und die besitzt Reis natürlich reichlich.


Ein Verschwinden des traditionsreichen Kornes vom japanischen Speiseplan ist aber noch lange nicht ins Sicht. Reis ist wirklich omnipräsent und auch in Crackern, Wein, Tee oder Süßspeisen zu finden.


(Reisbällchen "Onigiri" おにぎり)



Die "heiße Phase" der Reisbauern beginnt mit der Aussaat im Mai und endet mit der Ernte im Oktober. Die Reispflanze wächst und gedeiht also 5 Monate auf dem Feld, in Japan wird er traditionell auf Nassfeldern angebaut. Die Pflanze erlebt die Regenzeit, dann einen sehr schwül-heißen Sommer und auch häufig Taifune. Ein tapferes Korn, dieser Reis!!!



(Anzucht im Folientunnel, Reisfeld-Landschaft, Erntezeit)



Da man in Japan mehr Reis isst als beispielsweise wir Deutschen (im Erntejahr 2018/2019 nur 6,2 kg pro Kopf), wird der Reis auch in größeren Mengen verkauft. In Tokyo sieht das natürlich anders aus als hier in Ishinomaki, aber unter 2 kg läuft nichts.

Wir kaufen also einen Sack mit 30 kg Naturreis und polieren diesen in 10 kg-Etappen. Selber polieren? Das klingt witzig, nicht? Es ist auch eindeutig eine kulturelle Eigenheit!

Wie läuft das also ab mit dem Reispolieren?


Man geht mit seinem Reissack (10 - 30 kg) zu einer Reispolierstation 精米機・精米所, die gibt es hier in der Provinz in jedem Ort. Optisch wie ein kleiner Waschsalon. Man schmeißt 100 Yen ein, füllt den braunen Reis (Naturreis) in eine Art Gitter und wählt dann den Politurgrad. Man wählt also auf einer Skala aus, wie weiß der Reis werden soll. Umso höher, umso weniger Nährstoffe bleiben über, da sie ja abgeschliffen werden. Wenn der Reis fertig poliert ist, stellt man den Sack unter eine Klappe und betätigt ein Fußpedal, womit der Reis im Sack landet. Der Reis ist zu diesem Zeitpunkt noch etwas heiß und duftet ganz wunderbar.

Warum man das macht? Der Reis kann als Naturreis länger gelagert werden und durch das etappenweise Polieren erhält man regelmäßig frischen Reis. Eine herrliche Prozedur.

Das nährstoffeiche Abfallprodukt, die Reiskleie 米ぬか, kann man bei manchen Stationen auch gleich mitnehmen. Die eignet sich prima zum Einlegen von Gemüse, ich gebe auch gerne ein wenig in mein Müsli und manchmal nutzen wir sie auch als Badezusatz. Ein echter Allrounder!



(Reispolierstation - Einfüllen - Erläuterung - Politurgrad - Pedal - Reisausgabe)



Gegessen wird Reis tatsächlich überwiegend weiß 白米 in Japan. Geschmacklich ist er so nicht zu dominant und lässt sich unwahrscheinlich gut mit sämtlichen Beilagen kombinieren.

Der Reis wird gekocht beziehungsweise gedämpft und ohne den Zusatz weiterer Gewürze in einem Reisschälchen serviert. Dazu werden dann beliebig weitere Speisen gereicht. Bei meinem Mann stellen sich stets die Nackenhaare auf, wenn sich in Deutschland die Leute Sojasauce über den weißen Reis kippen, damit er "nach was schmeckt". Ja, die Beziehung zum Reis ist in diesem Land eine gaaanz Innige. Und ich muss sagen, auch ich kann schon lange nicht mehr ohne ihn.



(Typisch japanisches Mittagessen: Reis, Makrele, Suppe, Gemüse)







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