• annasasaki9

Autofahren in Japan - "Tokyo Drift" in Zeitlupe


In Japan Auto zu fahren hat für mich persönlich anfangs ziemlich viel Neues mit sich gebracht. Der grundlegendste Unterschied zum gewohnten Fahren ist wohl der Linksverkehr hierzulande. In den ersten Wochen hinterm Steuer habe ich etliche Male den Scheibenwischer betätigt, wenn ich abbiegen wollte. Ich habe mich gefühlt wie eine alte Oma. Ist eben alles andersherum!


Hinzu kommt, dass Japan ein - für europäische Verhältnisse - ziemlich wuseliges Straßenbild aufweist. Die Leitungen sind überirdisch verlegt und so schmücken zahlreiche Kabelmasten das Stadt(Land-)bild. Außerdem erschweren reduzierte Straßenbeleuchtung, dichte Bebauung sowie mangelnde Straßenmarkierung (auf dem Land) das umgehend entspannte Fahren.



Stoppschild / Steuer rechts / Landstraße



Aber man gewöhnt sich schnell. Denn die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind derart streng, dass ich zum Schleichen verdonnert bin und so alles in Ruhe begreifen und üben konnte. Während sich im Ort die Beschränkung von 30 km/h bis maximal 50 km/h erstreckt, darf man auf Landstraßen gerade mal 40 km/h bis 60 km/h fahren. Mein die-deutsche-Autobahn-liebendes-Herz schmerzt aber erst so richtig, wenn wir auf der Autobahn sind. Denn da darf ich nur 80 - 100 km/h fahren. Da ist nichts mit "Dampf ablassen" oder "mal richtig auf die Tube drücken"! Zudem fallen auf der Autobahn relativ hohe Mautgebühren an. Mir wird aber immer wieder von den Landsleuten versichert, dass "10 km/h over" total okay seien.

Den großen Vorteil an diesem 'Schleichgebot' sehe ich in den niedrigeren CO2-Emissionen und dem geringeren Lärm. Da Hybridautos in Japan wesentlich stärker verbreitet sind, als in Deutschland zum Beispiel, ist es für Nase und Ohren angenehmer hier.



Schild Geschwindigkeitsbegrenzung / Schild Kreuzung / Schild Überholverbot



Etwas tricky wird es beim Abbiegen an kleinen Kreuzungen oder Straßenecken ohne Vorfahrtsstraße. Und die gibt es im ländlichen Raum en masse. Da die mir bekannte "Rechts-vor-links"-Regelung in Japan nicht greift, muss man die anderen Verkehrsteilnehmer sehr gut beobachten. So manch schüchterner Zeitgenosse schaut einfach nach unten, während die meisten Autofahrer einem durch Zunicken, einen Wink mit dem Arm oder auch per Lichthupe die Vorfahrt gewähren. Es geht also meistens sehr bedächtig und langsam zu. Das kommt mir bei der Enge der Straßen sehr entgegen.


Ampeln befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite der Kreuzung, meist ausgestattet mit einer Zusatzampel darunter für Abbieger. Manchmal wird man mit einer mittig über einer Straßenkreuzung hängenden rot blinkenden Ampel konfrontiert. Die ist mit einem Stoppschild gleichzusetzen und die Vorfahrtsregelung erfolgt dann nach dem Prinzip "first come, first served".

Ohne Google Maps wäre ich aufgeschmissen, da hier diverse Wege komplett unbeschildert sind und die von Reisfeldern gesäumten Wege einfach kaum zu unterscheiden sind.

Neben den auch in Deutschland so beliebten "Baby in car"-Stickern an der Heckscheibe, sind in Japan zudem Aufkleber für Fahranfänger und Senioren gängig. Da wir in einer ländlichen Region leben, dominieren letztere hier das Straßenbild und dienen auch als Ausweis für bestimmte Parkplatzprivilegien.

An Bahnübergängen muss immer angehalten werden, um dann mit einem Blick nach rechts und links zu überprüfen, ob auch wirklich kein Zug durchfährt. Die Schranken sind gelb-schwarz und ebenso die Warnkreuze, also farblich nicht ganz so überzeugend wie in good old Germany.


Ich persönlich würde mir eine bessere Fahrbahnmarkierung wünschen, um die Mitte der Fahrbahn auch im Dunkeln als Orientierung zu haben. Teilweise sind Landstraßen ohne Fahrbahnmarkierung in der Mitte sowie ohne Leitblanken oder Beleuchtung. Das macht es abends bei Regen doch manchmal etwas abenteuerlich.


"Fußgängerwege" über der Kanalisation am Straßenrand / Straßenkreuzung Yokohama



Als Fußgänger im ländlichen Japan steht man relativ doof da. Es gibt keine erhöhten Fußgängerwege und so gehen Fußgänger am Straßenrand. Innerorts muss man folglich über die überdeckelte Kanalisation laufen, was einem Klapperkonzert gleicht.

In der Stadt gibt es weitestgehend breite Fußgängerwege, vor allem an den großen Straßen.


Alles in allem würde ich den Straßenverkehr als vergleichsweise entschleunigt und miniaturisiert zusammenfassen. Die Autos in Japan sind klein, die Straßen schmal, die Geschwindigkeit niedrig. Für die Umwelt ist das sicherlich gut, für den Zeitplan manchmal schwierig.



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